Selfie

Selfie…Neulich im Urlaub auf ca. 1400 m Höhe beim Aufstieg, konnte man erleben wie ein einsamer, jüngerer Wanderer während seines Abstiegs, jeweils nach etwa 50m kurz anhielt, einen Stock noch vorne streckte, sich in Positur warf, den Stock umdrehte, einen Gegenstand intensiv anschaute und daran herumfingerte. Näher betrachtet handelte es sich um ein Smartphone welches an einem Selfie-Stick genannten Stabs befestigt war.

Also alle paar Meter, sozusagen von Baum zu Baum, fertigte besagter Wanderer ein Bild von sich. Im Anbetracht knapper Speicher kann man wohl davon ausgehen, dass die Bilder auch an mehr oder weniger interessierte Bekannte weitergeleitet wurden. In diesem Zusammenhang bekommt der Begriff „Follower“ eine ganz besondere Bedeutung.

Wie soll man das alles verstehen? Wie sind die Bilder betitelt? Toller Typ mit Baum vor Gebirgslandschaft Teil 1, toller Typ mit Baum vor Gebirgslandschaft Teil 2 bis toller Typ mit Baum vor Gebirgslandschaft Teil n. Aber wer interessiert sich für solche Bilder? Vielleicht der traute Freundeskreis, permanent vor einem Großbildschirm versammelt, oder doch jeder für sich vor einem Smartphone? Werden die Bilder möglicherweise gar nicht beachtet und füllen nur irgendwelche Datenbänke? Respekteinflößend ist, jedenfalls die UMTS-Ausleuchtung in Österreich, wo es selbst auf der kleinsten Alm eine hervorragende Verbindung gibt, das Selbstwertgefühl des Wanderers, als auch seine Fähigkeit, in unwegsamen Gelände fotografierend bergab zu laufen, ohne auf die Nase, beziehungsweise sein Smartphone zu fallen.

Irgendwie hatte man das Bild von Neil Armstrong anlässlich seiner Mondlandung im Kopf. Aber da damals die Kamera meines Wissens am Anzug befestigt war, kann man sicherlich nicht von einem Selfie ausgehen. Oder die Bilder von Reinhold Messnern auf irgendeinem Achtausender im Himalaya. Das waren garantiert Selfies-„Alleinbesteigung!“ ist doch klar. Die machten auch richtig Sinn. Damit war der unwiderlegbare Beweis erbracht, für die Menschheit und die Sponsoren, dass er wirklich oben war. Nun kann man 1400m Seehöhe nicht gerade mit dem Mount Everest vergleichen und Sponsorengelder gibt es für Spaziergänger garantiert auch nicht. Also bleibt die Sinnhaftigkeit weiter im Dunklen. Erschreckend ist nur der Gedanke an die vielen, vielen Selfie-Sticks die heutzutage in jedem Supermarkt wohlfeil angeboten werden, denn hinter (fast) jedem ausgestreckten Exemplar steht jemand der seine Selbstportraits in die weite Welt verschickt. Unlängst konnte man sogar von einem Selfie-Affen lesen. Die Botschaft lautet: Schickt den Kram wohin Ihr wollt, bitte nicht an …