Die optimale Abivorbereitung

Am Urlaubsort in den Sommerferien, den letzten vor der Abiturprüfung, in der Tasche Bücher, Notizen, Formelsammlungen, also der ganze Kram, der zum gewissenhaften Lernen notwendig ist. Hörte man von älteren Jahrgängen, man habe zu spät mit den Vorbereitungen angefangen, so soll es mir nicht ergehen – niemals!

Also, oberste Priorität – sofort und unverzüglich mit Pauken anfangen, gemäß dem Motto der Latwergekocherinnen: „vorne gerührt, brennt hinten nicht an“, um eine gute Prüfung hinzulegen. Aber sagte nicht Guareschi, sein enormer Erfolg basiere alleinig auf der Tatsache, dass er Dinge immer so lange wie möglich hinausgezögert habe? Gut, Erfolg möchte ich auch haben, also fange ich wohl besser morgen an.

Tags darauf fällt mir ein, ohne Plan macht das Lernen ja überhaupt keinen Sinn. Also muss ein Konzept her. Darüber denke ich dann die nächsten Wochen intensiv bei entspannenden Beschäftigungen, wie Fotografieren, in der Gegend herumfahren und Besichtigungen nach. Ein Schritt in die richtige Richtung wie ich denke, der Anfang ist getan.

Wieder zu Hause finde ich es angebracht die Tätigkeit des Lernens, die ich schnellstens aufzunehmen gedenke, durch den Kauf einiger Kilo Fachliteratur zu unterstützen. Abends merke ich, es ist gar nicht so einfach die ganzen Bücher unter das Kopfkissen zu packen.

Eine Woche später kaufe ich noch einige Formel- und vor allem Aufgabensammlungen. Es wäre doch schade, wenn man nicht genügend Übungsmaterial hätte. Zur Sicherheit wird dieses Material griffbereit unter dem Nachttisch verstaut, der wackelte sowieso. Irgendein Fachmann weist auf die Möglichkeit des Einbringens einer besonderen Lernleistung hin. Zehntägiges Nachdenken bringt mich zum Schluss, dass ich wegen des vielen beabsichtigten Lernens, eine solche Leistung nicht erbringen kann. Soweit so gut, zwei Monate vor der ersten Prüfung setze ich mich an meinen Schreibtisch und verrichte die letzten äußerst wichtigen Vorbereitungen. Nachdem alle Kugelschreiberminen erneuert, die Tinte frisch gefüllt und alle Bleistifte gespitzt sind, stecke ich noch neue Minen in die Druckbleistifte – was sein muss, muss sein, da bin ich akribisch! Es wäre katastrophal, wenn der Lernfortschritt durch den geringsten Materialmangel gefährdet wäre.

Nun, einen Monat vorher wird die Sache brenzlig: Noch nichts, aber absolut nichts gelernt – da muss dringend etwas getan werden! Ich studiere mein Telefonverzeichnis und suche Einen, der so richtig gut ist. Am besten jemand mit Freund oder Freundin, der/die kann dann das Handy nicht abschalten. Der/Die soll dann gefälligst mehr tun und mir dann sein/ihr Wissen in Form eines Direkttransfers – mittels Telefon oder so – zukommen lassen. Das ist es! Doch wie ich höre soll das Abschreiben in der schriftlichen Prüfung nahezu unmöglich sein, von der mündlichen ganz zu schweigen! Hm, guter Rat ist teuer, ich denke ich muss aktiv an das Problem rangehen, mehr Bücher unter das Kopfkissen legen und neueste CIA-Technik bezüglich geheimer Kommunikation kaufen, auf N24 kriegt man die tollsten Sachen gezeigt. Apropos kaufen – sind Lehrer bestechlich zum Beispiel mit Sachertorte und Pizza oder soll man sie lieber erpressen: „Geben Sie mir eine gute Note sonst geht die Kaffeemaschine im Lehrerzimmer zu Bruch, ha ha ha (grimmiges Lachen muss noch geübt werden)!“ Aber sind da nicht die vielen Teetrinker, die im Zeitalter des Tauchsieders nicht mit zerstörten Kaffeemaschinen zu erpressen sind? Okay! Ich muss mich konzentrieren und nach neuen Lösungen suchen, ich weiß, dass ich sie finden werde. 13 Jahre Erfahrung im Abschreiben können nicht umsonst gewesen sein!

Eins ist klar, wer gute Noten haben will, der muss richtig heran klotzen, der darf sich für nichts zu schade sein. Was meint ihr? Ich soll lernen? Leute, wo bleibt da die Kompromiss- und Teamfähigkeit? TEAM – toll ein anderer macht‘s – das ist Programm, das Endergebnis von 2000 Jahren Hochkultur! Denkt daran: Lernen ist einfach, das kann jeder , da muss man nicht mittun!!!

Übrigens: ich suche noch einen Mitschüler mit guten Mathe, Physik, Deutsch und Geschichtskenntnissen, der sich freiwillig neben mich setzt. Gute Manieren und gepflegtes Äußeres sind nicht unbedingt notwendig. Bei Interesse bitte melden bei ... Chiffre #55573, bei der Zeitung deines Vertrauens.

(Text und Idee: Christian Drischler)