BLL, Würze des Zentralabiturs?

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Hessen 2009, das Kultusministerium befindet sich schulpolitisch in der Kritik, Fehler im Zentralabitur, Lehrermangel, etc. werden in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. An dieser Stelle sei es dem Autor erlaubt über einen, wie er meint, positiven Aspekt des Zentralabiturs zu berichten, die in der Überschrift erwähnte BLL.

Was ist das? Selbst ausgeschrieben – Besondere Lernleistung – ist dieser Begriff nichtssagend. Laut Bildungsserver des Kultusministeriums ist die BLL ein besonderer Bestandteil des hessischen Zentralabiturs der alternativ ein mündliches Prüfungsfach, auf Wunsch des betreffenden Schülers, ersetzten kann. Bei dieser Prüfungsform erarbeitet sich der Schüler über einen Zeitraum von etwa einem Jahr, ein spezielles Thema, wobei er die Art und Weise der Aufbereitung selbst vorgibt, mit seinem Vertrauenslehrer abstimmt und in einem Portfolio dokumentiert. Prüfungsrelevant ist letztendlich die schriftliche Ausarbeitung, das besagte Portfolio und ein mündliches Kolloquium über (etwa) 30 min. In der aktuellen Probephase werden die detaillierten Ausführungsbestimmungen seitens der jeweiligen Schule festgelegt. Kleine Besonderheit, Teilnehmer anerkannter Jugendwettbewerbe können ihre Arbeiten unter bestimmten Voraussetzungen als BLL einbringen.

Soweit die Theorie, in der Praxis sieht das ein wenig anders aus. Aufgrund der guten Platzierung im hessischen Jugend forscht Wettbewerb durfte der Autor seine Beitragsarbeit „Hören Musiker wirklich schlechter“ als BLL in die Abiturwertung einbringen. Die vierfache Punktzahl sollte als viertes Prüfungsfach in die finale Wertung eingehen. Was zunächst als verlockend einfach erschien, erwies sich als knifflig. Die besondere, vorgegebene Form der Jufo-Arbeit wollte so gar nicht in das BLL-Schema passen, erste Versuche einer direkten Adaption waren nicht sehr erfolgsversprechend, weiterführende Untersuchungen mit neuen Erkenntnissen erschwerten den Prozess zusätzlich. Also entschied sich der Autor zu einer konzeptionellen Neugestaltung. So entstand eine speziell für die BLL zugeschnittene Version mit einem zusätzlichen Arbeitsaufwand von etwa 300 Arbeitsstunden. Großer Wert wurde dabei auf das bereits erwähnte Portfolio gelegt, um den Arbeitsaufwand detailliert zu dokumentieren. Freundlicherweise lasen einige namhafte, mit der Materie vertraute Fachleute, Korrektur und sparten nicht an konstruktiver Kritik bezüglich den formalen Anforderungen an eine Studienarbeit. Die Arbeit wurde fristgerecht an den Vertrauenslehrer übergeben, der seinerseits Korrektur las und dabei noch einige Verbesserungen bei diversen Formulierungen anregte. Für die drei Prüfer war die Arbeit sicherlich eine Herausforderung. Die Messungen und deren Auswertung erfolgten unter strikter Anwendung gesetzlicher Normen und Methoden, die außerhalb des Erfahrungsbereiches gymnasialer Lehrer liegen. Anhand der detaillierten Fragen im Anschluss der Prüfungspräsentation konnte man klar erkennen, dass sich diese aber tief in die Materie eingearbeitet hatten, was sicherlich in der stressigen Abiturzeit eine große Leistung darstellt. Der Autor sieht darin eine besondere Anerkennung für die er sehr dankbar ist, so wurde jede Trivialität vermieden und die Note – deutlich besser als durchschnittlich – war nicht geschenkt, sondern ehrlich verdient.

Für den Autor ist seine BLL ein tiefgreifendes Erlebnis, dass er so schnell nicht vergessen wird. Hinsichtlich Selbsteinschätzung, Disziplin und Organisation, nur um einige Punkte zu erwähnen, war es eine harte, gute Schule, insbesondere war es wunderbar, mit anerkannten Fachleuten zu arbeiten, auch wenn man dadurch erkennen konnte, dass zwischen schulischer und professioneller Forschung ein himmelweiter Unterschied besteht.