Camera Obscura

Die Gesellschaftliche Interaktivität am Beispiel einer Kamera Obscura

Neulich beim Aufräumen abgelegener Schrankbereiche, fiel dem Autor ein längst vergessenes Utensil in die Hände. Betrachtet man sich das obige Bild, so denkt man sofort an ein Stück Kanalrohr aus dem nächsten Baumarkt. Soweit ist das auch richtig, wenn nicht der Autor als Schüler der 7. Klasse die Idee gehabt hätte, die gerade durchgenommene Kamera Obscura, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln, nachzubauen. Der dadurch initiierte Schöpfungsakt soll hier die komplexe Interaktivität verschiedener gesellschaftlicher Bereiche dokumentieren. Ein leises Schmunzeln des Lesers ist durchaus erwünscht!

Während der Naturwissenschaftler über die physikalischen Gesetzmäßigkeiten sinniert und grundlegende Parameter festlegt, signalisiert der Kaufmann ein minimales Budget, sodass der Konstrukteur durch den Keller schleicht, um geeignete Ideen für die Umsetzung zu finden, die dann auch nach umfassender morphologischer Analyse in eine Stückliste eingebracht werden.

Der Beschaffer, Einkäufer besorgt dann, möglichst aus bestehenden Beständen der Familie, die „wertvollen“ Teile wie Tubus (Kanalrohr), Mattscheibe (Butterbrotpapier), lichtdichte Verkleidungen (schwarze Pappe) und diversen Kleinkram, wie Kleber und Werkzeuge.

Nach dem Zeiteilen des Kanalrohres mit der väterlichen Eisensäge zeigen sich erste fachliche Mängel, der Schnitt sieht aus, als hätte ihn ein Biber genagt. Es kommt also die für einen 12-jährigen übliche Lösung in Betracht: sauberes Abrichten auf der heimischen Drehbank. Da der dafür zuständige Vater natürlich nur schwer zu begeistern ist, kommt der Politiker zum Zuge. „Papa ich gehe mal in den Keller und bereite die Drehbank vor“ leitet normalerweise eine sofortige Reaktion ein, die das Ziel näher bringt. Erfahrungsgemäß bringt es einen ernormen Effektivitätszuwachs wenn man diese Ansprache leicht umformuliert an eine andere Adresse weitergibt: „Mutti, kannst du mal Vater sagen, dass ich im Keller die Drehbank vorbereite...“. Man sieht leicht, der Politiker ist eine gesellschaftlich wichtige Person. Wenn Vater dann zwangsweise das Kanalrohr entdeckt, dass er für irgendeine andere, seiner Meinung nach, wichtigere Angelegenheit gekauft hat, so ist der Jurist gefragt, der die Familienregeln geschickt auslegt und eine drohende Verhandlung vor dem Familiengericht mit drohendem Taschengeldabzug abwendet.

Ist diese Hürde überwunden, baut der Handwerker die Teile vorsichtig zusammen, das Ergebnis übergibt der dann dem bereits genannten Naturwissenschaftler, der feststellt, dass die optische Leistung hervorragend zum Abbilden diverser brennender Kerzen geeignet ist, für sonstige Objekte allerdings von jeder Einwegkamera in den Schatten gestellt wird. Dies ist der Moment für den Marketing-Spezialisten, der feststellt, dass es für dieses Teil garantiert keinen Markt gibt, da es für die Masse gänzlich unnötig sei. Also bedient man sich eines Werbefachmannes, vorzugsweise aus der Kosmetikbranche, der durch geschickte Wahl eines Werbeslogans „das Kultteil das schon Goethe liebte, in limitierter Auflage für lächerliche €19.95“ und großzügige Schaltung von Anzeigen, Spots, etc. eine riesige Nachfrage generiert, was durch professionelle Hilfe von Grafikern und Film-Regisseuren ermöglicht wird. Der Einsatz eines profilierten Schauspielers aus der Action-Szene – Namen sollen hier nicht genannt werden – erweist sich als durchschlagend. Diese riesige Nachfrage kann dann natürlich nur durch industrielle Fertigung in Übersee befriedigt werden. Die daran beteiligten Berufe, Künste und Wissenschaften sollen in Teil 2 behandelt werden, dessen gedruckte Ausführung bequem mit einem Sattelauflieger mittlerer Größe transportiert werden kann.

Tubus
Tubus
Eintrittsblende
Eintrittsblende
Projektionsschirm
Projektionsschirm